WAGNER Journal des Luxus und der schlechten Laune
Warum WAGNER?
Ein Editorial
Karl-Heinz Hüning
1/2/20262 min read


Warum ausgerechnet Wagner? Seine Briefe an Gott und die Welt waren mir eigentlich immer ziemlich egal. Erst als Franz Josef Wagner am 6. Oktober 2025 mit 82 Jahren in Berlin gestorben ist, wurde mir klar, dass der „Gossen-Goethe“ auch mein Leben entscheidend geprägt hat.
Ein guter Grund, auf seinen Spuren etwas Neues zu beginnen.
Aber zurück zum Anfang. Im Frühjahr 1992, kurz nach der Wende, hatte der Berliner Publizistik-Professor und Medienökonom Axel Zerdick (niemand konnte so viel Schokolade essen) einen Besuch in Druckerei und Chefredaktion der „Super“-Zeitung organisiert. Es handelte sich dabei
um ein vom Burda-Verlag initiiertes Joint Venture mit Rupert Murdoch, um Springer und der „Bild“ in Ostdeutschland das Wasser abzugraben. Ohne Erfolg. Während es die „Superillu“ heute zwar immer noch gibt, spricht über die gleichnamige Boulevardzeitung inzwischen kein Mensch mehr.
Aber zu Beginn war „Super“ der neueste heiße Scheiss. Schon das kleinere Tabloid-Format sorgte für Aufsehen. Grund dafür war, dass der Verlag die alten Druckmaschinen der „Sun“ aus London billig haben konnte.
Vermutlich mit ganz viel Geld hatte Burda Wagner als Chefredakteur angeheuert. Und der sorgte von Anfang an dafür, dass kein Auge trocken bleibt: „Angeber-Wessi mit Bierflasche erschlagen. Ganz Bernau ist glücklich, daß er tot ist“, titelte Wagner bereits am zweiten Tag seiner neuen Tätigkeit.
Ein Wutschrei ging durch Westdeutschland, im Osten dagegen ist das Faksimile der Poesie Wagnerscher Prägung als T-Shirt-Motiv noch immer populär.
An dem Tag als wir Studenten damals bei der Schlagzeilen-Konferenz dabei sein durften, war leider nicht soviel los. Aber schon das Ambiente war spektakulär, Franz Josef Wagner und sein Nachfolger Peter Bartels saßen in Ledersesseln, rauchten Zigarre und tranken Whisky. Heraus kam schließlich: „Leber an der Milz operiert“. Na ja. Der frühere Verteidigungsmininster Georg Leber hatte gerade einen Krankenhausaufenthalt hinter sich.
Ich fand das trotzdem super und wollte auch sowas machen. Leider ist daraus lange nichts geworden, aber das soll sich jetzt ändern - mal abgesehen von Schnaps und Zigarren zum Frühstück.
„Wagner“ soll uns allen, die wir schon älter aber noch nicht richtig alt sind, all das bieten, wofür Franz Josef Wagner immer stand: was Lustiges, was zum Weinen und was zum Nachdenken. Nur langweilig soll es nicht sein.
