WAGNER Journal des Luxus und der schlechten Laune

Ein gefährlich guter Berlin-Cocktail zum 
Start in die warme Jahreszeit

Ulis Bonnie and Clyde

Moin Männer!

Wisst ihr noch, damals? Wir, wie wir durch die Nächte in Berlin gezogen sind, von Bar zu Bar, immer auf der Suche nach dem nächsten großen Ding? Rückblickend auf diese Zeit hab ich vor einigen Monaten einen Cocktail gemixt, der dieses Lebensgefühl in ein Glas packen sollte. Einige Zeit lag das Rezept bei mir in der Schublade, aber jetzt zum Frühlingsbeginn muss es mal raus unter die Leute.

Dieser Drink ist wie ein perfekter Abend in unserer Stadt: ein bisschen rau, ein bisschen süß, und am Ende samtig-weich. Ich habe einen irischen Whisky dafür ausgesucht, den Jameson. Der ist unkompliziert, nicht rauchig und bringt genau die richtige Basis für alles, was danach kommt.

Jetzt kommt der Berliner Persico ins Spiel – der Kult-Kirschlikör der 80er aus der Eckkneipe, der uns allen ein Begriff ist. Er verleiht dem Drink diese wunderbare, rötliche Farbe und diese leicht
fruchtige, leicht herbe Note.

Was kommt noch dazu? Ein Hauch Schokosirup für die Tiefe - Monin ist da mein Bar-Klassiker-Tipp, der hat diese klassische, nicht zu dichte Schokonote - während ein Hauch frische Zitrone für ein balanciertes
Finish sorgt.

Aber der eigentliche Trick, damit der Drink so richtig weich wird auf der Zunge und den genialen Schaum kriegt, ist Fee Foam, 100% vegan! Der bringt den Drink zum schäumen ohne tierisches Eiweiß. Und man muss kein Eigelb wegschmeißen. Optional kann man noch ein paar Dashes Angostura Bitters zugeben. Sie nehmen dem Drink etwas die Süsse und machen unseren Cocktail tiefgründiger, das Salz in
der Suppe.

Krönenden Abschluss ist die Garnitur auf der Schaumkrone, zwei eingelegte Amarena-Kirschen - ich nehme am liebesten die von Fabbri. Eine Zitronenzeste kann noch dazu – fertig ist mein Bonnie and Clyde.

Probiert ihn aus! Er schmeckt nach Berlin, nach uns und nach guten Geschichten.

DAS REZEPT: ULIS Bonnie & Clyde

ZUTATEN:

* 4 cl Jameson Irish Whiskey
* 2 cl Krischlikör, Berliner Persico
* 1 cl Schokosirup von Monin Chocolate
* 3 cl frischer Zitronensaft
* einige Dashes Fee Foam von Fee Brothers
* Optional: 2 Dashes Angostura Bitters
* Eiswürfel
* Garnitur: Amarena-Kirschen von Fabbri, Zitronenzeste

ZUBEREITUNG:

* Gib alle Zutaten – Whisky, Persico, Schokosirup, Zitronensaft und Fee Foam (und optional die Bitters) – ohne Eis in einen Cocktail-Shaker. Das nennt man einen "Dry Shake". Schüttle kräftig für ca. 10 Sekunden. Das emulgiert das Fee Foam und sorgt für den tollen Schaum.
* Fülle den Shaker nun mit Eiswürfeln auf und schüttle das Ganze noch einmal kräftig ("Wet Shake"), bis der Shaker von außen beschlägt.
* Seihe den Cocktail durch einen Strainer, falls keiner zur Hand ist, durch ein Sieb in einen im Kühlschrank vorgekühlten Tumbler- das spart Eis - gib aber vorher noch 4-5 Eiswürfel ins Glas.
* Garniere den Bonnie und Clyde mit zwei Amarena-Kirschen und einer feinen
Zitronenzeste.
* Prost!

Das Rezept ist der Auftakt für Ulis große Cocktail-Reise über Italien und den Balkan Richtung Asien. Alle weiteren Rezepte finden Sie täglich aktuell im Blog.

Rom sehen und sterben

Aber nur wenn es auch was leckeres zu trinken gibt... Roman Kiss heißt der Cocktail, den Uli auf ihrer Reise Richtung Südosten in Rom probiert hat.

Ein Kuss auf die Ewigkeit. Warum wahre Magie nur dort entsteht, wo der Algorithmus uns nicht findet

Rom ist kein Ort, Rom ist eine Überwältigung. Magisch, laut und unglaublich voll. Um hier nicht unterzugehen, brauchst du einen Anker. Meiner heißt Gloria. Wir trafen uns auf einem Brasilien Tripp als Rucksack-Reisende – heute, fast 40 Jahre später, ist sie mein Kompass in Ihrer Stadt.

Wir schlendern durch Trastevere, Glorias Kiez in Rom, vorbei an den absurden Schlangen bei „da Enzo“, wo Menschen von mittags bis nachts ausharren, bewacht von Security, nur um ein Häkchen hinter einen Instagram-Hype zu setzen. Wer will schon essen, wenn einem die Wartenden hungrig auf den Teller starren?

Nur einen Steinwurf weiter sind die Gassen gemütlich leer, das echte Rom beginnt, wir biegen ein ins „404 Name Not Found“.

Ein digitaler Fehlercode als analoger Schutzschild. Freie Tischwahl, wir setzen uns, dann kommt umgehend ein Teller köstliche Pizzastücke frei Haus. Ich werde mitgerissen von dem italienischen Lebensgefühl, der pure Genuss, die pure Freude im lauten Gewusel, diese ästhetische Sprache, die in meinen Ohren wie herrliche Musik klingt, ich bin beeindruckt, wenn die Römerinnen ihre Hände schwingen und mit dieser unnachahmlichen Gestik die Welt erklären.

Ich möchte am liebsten die Wände küssen, so sehr freue ich mich in Rom zu sein, mit Gloria und diesem besonderen Lebensgefühl, voller Seele, das mich packt und zu Neuem verführt, ich habe mich entschieden und bestellte den Roman Kiss, als eine Hommage an ewige Freundschaft in der ewigen Stadt.

DAS REZEPT

ROMAN KISS – Ulis Variante - weniger süß mit frischer Limetten-Garnitur

ZUTATEN

  • 5 cl Vodka (ich empfehle Absolut Vodka, ein verlässlicher Klassiker mit feiner, klarer Getreidenote)

  • 2 cl Holunderblütenlikör (von St. Germain, für die florale Süße )

  • 3 cl Birnensaft (von Bauer, naturtrüb für die samtige Textur)

  • 2 cl Frischer Limettensaft (Biolimette handgepresst!)

  • 3-4 Dashes Fee Foam (von Fee Brothers, für die perfekte Krone)

ZUBEREITUNG

  1. Dry Shake: Alles ohne Eis kräftig schütteln. Wir wollen Substanz, keine Show.

  2. Wet Shake: Jetzt Eis dazu und eiskalt shaken, bis der Shaker beschlägt.

  3. Finish: In eine elegante vorgekühlte Cocktail Schale abseihen.

  4. Garnitur: Eine Limetenzeste über dem Schaum ausdrücken und dann auf den Schaum legen .

Feinschliff

Für die Zeste schneide mit einem kleinen Küchenmesser einen hauchdünnen etwa 4 cm Streifen von der äußeren grünen Schale ab. Achte darauf, dass nichts vom inneren Fleisch mitgeschnitten wird damit keine Bitterstoffe im Glas landen. Halte die Zeste mit der grünen Seite nach unten über dein Glas und den Schaum. Knicke den Streifen nun einmal kräftig mit den Fingern zusammen, dann lege die Zeste auf den Schaum.

Salute!

Warum das Original im Glas am ehrlichsten ist

Es gibt Treppen, die vergisst man nicht. Diese Stufen bin ich schon vor 40 Jahren für einen Drink hinuntergedrängelt, hinein in das verrauchte Epizentrum meiner Freiburger Party-Nächte: das legendäre Le Caveau. Heute residiert dort das One Trick Pony – eine echte Überraschung in meiner Geburtsstadt, diese Bar spielt handwerklich in der Champions League.

An diesem Ostersonntag ist die Stimmung in Freiburg im Keller. Der SC hat auf den letzten Metern gegen Bayern verloren, und statt Partyrummel finde ich bleierne Stille in den „Gäßle“. Im Pony bestelle ich den „Three Day Bender“ – Whiskey, Wermut, Orange, Nuss. Handwerklich perfekt, keine Frage – eine Neuinterpretation meines Lieblingscocktails, die mich ausnahmsweise nicht enttäuscht.

Mein Herz schlägt aber klar für das Original, den Whiskey Sour. Ich könnte in diesem Drink baden. Er ist für mich die „Heilige Dreifaltigkeit“ der Barkultur: Whiskey, Süß. Sauer. Gefährlich süffig.

Whiskey Sour - ein Working Class Hero

Ehrlich, rau und zeitlos. Quentin Tarantino hat diesem Klassiker in Once Upon a Time in Hollywood nicht ohne Grund ein Denkmal gesetzt. Wir alle haben die Bilder im Kopf, wie Leonardo DiCaprio als Rick Dalton den Cocktail kübelweise kippt, eine Verbeugung vor einem Drink der eine Haltung zeigt. Der Whiskey Sour ist kein Trend, er ist Geschichte.

Schon 1862 stand er im ersten Bar-Handbuch der Welt, „The Bartenders Guide von Jerry Thomas“. Und Tarantino wusste genau, warum er im Film die Krüge voll davon hinstellt: Während der Jetset Champagner trank, blieb der Whiskey Sour der Drink der Macher, derer, die hart arbeiteten und hart tranken, der Drink in Hollywood der 60iger- elegant genug für die Ladies, kräftig genug für die Kerle.

Symbol für Souveränität

Er ist das Symbol für Souveränität. Wir in unserer Generation müssen niemandem mehr beweisen, dass wir jeden Trend mitmachen.

DAS REZEPT: ULIS WHISKEY SOUR

ZUTATEN:

  • 6 cl Bourbon Whiskey (Ich empfehle den Evan Williams Bottled-in-Bond, die 50% halten den Drink stabil)

  • 3 cl Frischer Zitronensaft ( frische Zitronen, handgepresst!)

  • 2 cl Zuckersirup von Monin

  • 3-4 Dashes Fee Foam von Fee Brothers für die perfekte, vegane Schaumkrone

  • Garnitur: Amarena-Kirschen von Fabbri

ZUBEREITUNG:

  1. Dry Shake: Whiskey, Saft, Sirup und Fee Foam ohne Eis in den Shaker geben. Kräftig schütteln! Das ist der Zaubertrick für den standfesten Schaum.

  2. Wet Shake: Jetzt reichlich Eis dazu und nochmal schütteln, bis der Shaker von außen beschlägt und die Finger fast festfrieren.

  3. Servieren: Den Mix durch ein Sieb in einen vorgekühlten Tumbler auf frisches Eis abseihen. Wichtig: Nie das Eis im Glas anschmelzen lassen, Schmelzwasser immer abgießen, sonst schmeckt der Drink wässrig und kann sein Aroma nicht entfalten.

  4. Das Finale: Die Fabbri-Kirsche auf die Schaumkrone setzen.

Wenn der SC wieder verliert, dann machen wir es wie Rick Dalton, der mixt ihn sich im Film direkt im Blender (Mixer) – wie in den 60igern, als man Cocktails zu Hause in großen Kübeln („Pitcher“) für Partys vorbereitet hat.

Prost!

Whiskey Sour, der Klassiker auf Ulis Weg Richtung Albanien.

Ein ehrlicher Drink für Unterwegs