Das neue Tinder: Die Rückkehr zur Käsetheke
Finger weg von Dating-Apps. Die meisten Personen, die man dort findet, sind sowieso nicht echt. Warum nicht einfach mal wieder jemanden ganz persönlich ansprechen?
Liebe Singles,
es gibt schlechte Nachrichten.
Ihr Traumpartner ist möglicherweise gar nicht da.
Er sieht gut aus.
Er liebt Italien.
Er mag Sonnenuntergänge.
Er findet Ehrlichkeit „total wichtig“.
Und sonntags geht er wahnsinnig gern mit seinem Hund spazieren.
Nur: Er hat gar keinen Hund.
Er hat nicht einmal Beine.
Er ist eine KI.
Anthropic hat gerade einen bemerkenswerten Fall dokumentiert: ein ganzes Netzwerk von Dating-Apps, bevölkert von künstlichen Menschen. Das Verhältnis dort: drei KI-Profile auf einen echten Menschen.
Drei zu eins!
Früher war die Frage beim ersten Date: Hat er bei seiner Körpergröße geschummelt?
Heute lautet sie: Hat er überhaupt einen Körper?
Das ist Fortschritt.
Wir optimieren unsere Bilder.
Wir optimieren unsere Berufe.
Wir optimieren unsere Hobbys.
„Ich liebe Reisen“ bedeutet: Ich war 2019 auf Mallorca.
„Ich liebe gutes Essen“ bedeutet: Lieferando kennt meine Adresse.
Und: „Ich suche etwas Echtes“ schreibt inzwischen womöglich eine Maschine, die noch nie jemanden geküsst, vermisst oder morgens um halb vier angerufen hat.
Vielleicht ist das Problem gar nicht die künstliche Intelligenz.
Vielleicht ist das Problem unsere künstliche Partnersuche.
Wir wischen Menschen weg, weil die Nase nicht stimmt. Weil das Foto am Strand doof ist. Weil jemand „gerne wandern“ schreibt. Oder nicht gerne wandert. Oder zu gerne wandert.
Liebe ist zu einem Artikel im Versandhandel geworden.
Also schlage ich etwas Revolutionäres vor:
Gehen Sie in einen Supermarkt.
An die Käsetheke.
Dort steht vielleicht jemand neben Ihnen.
Ein echter Mensch.
Mit Poren.
Mit Falten.
Mit einem Einkaufszettel.
Und dann sagen Sie:
„Entschuldigung, finden Sie nicht auch, dass dieser Camembert etwas erotisches hat?“
Jetzt kann alles passieren.
Sie hält Sie für verrückt.
Er lacht.
Sie sagt: „Ich finde eher den Roquefort sexy.“
Das wäre dann schon ein Anfang.
Kein Algorithmus hat Sie gematcht. Kein Profilbild wurde weichgezeichnet. Niemand kennt Ihren Musikgeschmack.
Nur zwei Menschen.
Und ein Camembert.
Vielleicht ist das die Zukunft der Liebe.
Sie riecht ein bisschen streng.
Aber wenigstens ist sie echt.

