WAGNER Journal des Luxus und der schlechten Laune

Die abgehalfterte Hauptstadt

Berlin versinkt in Misswirtschaft und Schmutz. Ob Straßenbahn oder Schnee- und Eisräumung, wesentliche kommunale Dienste funktionieren nicht mehr. Der Öffentliche Dienst bedient sich hemmungslos selbst.

BERLIN

Matthias Heinrich

2/28/20263 min read

„Ich war schon lange nicht mehr hier, aber Du machst Dir keine Vorstellung, wie abgeranzt die Stadt mittlerweile ist.“ Mitgehört beim Passanten nebenan, als ich auf eine Freundin wartete.

Es ist Ende Februar auf dem Ludwigkirchplatz in Wilmersdorf, nicht die schlechteste Gegend Berlins, aber selbst hier merkt man den Verfall der deutschen Hauptstadt an allen Ecken und Enden.

Berlin verfällt

Aber wie soll es anders sein in einer Stadt, die von Lokalpolitikern regiert wird, die aus dem Sumpf der Bezirke schillernd an die Oberfläche steigen, nach einiger Zeit zerplatzten und wieder in den Sumpf aus Vereinen und Verbänden zurück sacken.

Zwei Ausnahmen gibt es, Richard von Weizsäcker und Willy Brandt, beide suchten schnell das Weite, weg aus dem Mief des Westens von Berlin.

Schuldenberge wachsen

Schon als Leuchtturm im roten Meer der Tyrannei versprach die Halbstadt mehr, als sie halten konnte. Es gab Clubs und Diskotheken, jede Menge Leuchtreklamen. Keine Sperrstunde, Berlin-Zulage, billige Mieten, einen prosperierenden Straßenstrich - trotzdem wollte jeder mit Grips im Kopf hier eher weg – für Wirtschaft und Politik war Berlin eine Sackgasse, ein Kostgänger auf Steuergeldern.

Mit der Wiedervereinigung wurde es nicht besser, Honeckers Erben (PDS) kamen eher noch als Geißel dazu.

Die Schuldenberge wuchsen, es wurde versilbert, auch was niet- und nagelfest war. Sparen – niemals.

Politik verscherbelt Tafelsilber

CDU-Bürgermeister Eberhard Diepgen (im Volksmund „das Diebchen“) verscherbelte mit dem Koalitionspartner SPD landeseigene Wohnungen, um Haushaltslöcher zu stopfen, SPD-Nachfolger Klaus Wowereit („Ich bin schwul und das ist auch gut so.“) komplettierte Anfang der 90er den Rest. Flotte Sprüche lieferte er gleich dazu, „Berlin ist arm aber sexy.“

Bezogen auf das Heute könnte man es übersetzen mit „Mach die Beine breit, wenn Du Deine Miete nicht zahlen kannst“. Denn daß private Vermieter vor allem Geschäfte machen wollen, begreift auch der Dümmste.

Eine Bürgerinitiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ versucht, na der Name sagt es ja schon.

Linke drohen mit Enteignungen

Knapp 14 Mrd. soll das kosten, günstig geschätzt. Honeckers Erben firmieren mittlerweile als „Die Linke“ und finden das natürlich super – und nach den Wahlen im Herbst könnten sie ein beträchtliches Wörtchen mitreden.

14 Mrd. könnte man aber auch in den Wohnungsbau stecken und so Entlastung schaffen, dann allerdings gibt es jede Menge Einwände vor allem von Links und Grün – von der Frisch-Luftschneise bis zum Feldhamster, den es zu schützen gilt.

Derzeit verwaltet ein No-Name namens Kai Wegner die abgewrackte Stadt. Der CDU-Mann kam jetzt gleich zwei Mal in die überregionalen Schlagzeilen. Als der Südwesten der Stadt nach einem Anschlag tagelang in Dunkelheit und Kälte fiel, Menschen in ihren Wohnungen froren, ging der gute Kai mal eben in die beheizte Tennishalle – „den Kopf freibekommen“.

Kontrolliert ja eh keiner

Das zweite Mal drei Wochen später – die Stadt versank in Schnee und ein Eisregen konservierte ihn und - nichts passierte. Und vor allem nichts auf den Fußwegen. Dabei muss jeder Hauseigentümer vor seinem Haus den Weg frei halten – „ick doch nich“ haben sich fast alle gedacht, kontrolliert ja eh keiner. Stimmt!

Spiegelglatte Eispanzer auf dem Pflaster, das hieß, Drei-Schicht-Betrieb in den Krankenhäusern. Als das im Rathaus endlich ankam, da hatte sich gefühlt schon jeder Dritte auf das Hinterteil gesetzt, und es hieß Salz frei für Fußwege. Das ist nämlich eigentlich nicht statthaft und prompt fand sich ein Kläger hauptberuflich Naturschützer.

Merke, Naturschützer schützen Bäume, aber wohl nicht Menschen.

Wie immer zu spät

Passend zum Frühlingsbeginn, 20 Grad sind angekündigt, kommt eine Gesetzesänderung, jetzt kann die Senatsverwaltung für Verkehr und Umwelt Privatpersonen das Streuen mit Salz für eine begrenzte Zeit erlauben, wenn "öffentliche Belange" dies erfordern. Wie immer zu spät.

Markus Söder hat schon Recht – „Wir haben in Bayern auf unseren Brezeln mehr Salz als in Berlin auf den Straßen.“

Ha,ha! Dafür haben wir den Streusplitt noch bis Ende April auf den Straßen, vorher würde es die Straßenreinigung nicht schaffen, die Berliner möchten ihn doch – bitteschön – zu Splitthäufchen zusammenkehren, das mache das Einsammeln einfacher. Mitmachstadt nennt man das wohl.

Hauptstadt der Schlaglöcher

Und das finale Drama kommt erst noch, wenn jetzt der Boden taut – Achtung Söder: Wir haben mehr Löcher in den Straßen als bayrische Schulkinder in den Zähnen. Wenigstens einmal Spitze sein.

Haben Sie noch wie die Knef einen Koffer in Berlin? Kommen Sie besser nicht vorbei, eine Enttäuschung ist gewiss.