WAGNER Journal des Luxus und der schlechten Laune

Ein ehrlicher Drink für unterwegs

Whiskey Sour, der Klassiker auf Ulis Weg Richtung Italien.

REISE

Uli

4/4/20262 min read

Warum das Original im Glas am ehrlichsten ist

Es gibt Treppen, die vergisst man nicht. Diese Stufen bin ich schon vor 40 Jahren für einen Drink hinuntergedrängelt, hinein in das verrauchte Epizentrum meiner Freiburger Party-Nächte: das legendäre Le Caveau. Heute residiert dort das One Trick Pony – eine echte Überraschung in meiner Geburtsstadt, diese Bar spielt handwerklich in der Champions League.

An diesem Ostersonntag ist die Stimmung in Freiburg im Keller. Der SC hat auf den letzten Metern gegen Bayern verloren, und statt Partyrummel finde ich bleierne Stille in den „Gäßle“. Im Pony bestelle ich den „Three Day Bender“ – Whiskey, Wermut, Orange, Nuss. Handwerklich perfekt, keine Frage – eine Neuinterpretation meines Lieblingscocktails, die mich ausnahmsweise nicht enttäuscht.

Mein Herz schlägt aber klar für das Original, den Whiskey Sour. Ich könnte in diesem Drink baden. Er ist für mich die „Heilige Dreifaltigkeit“ der Barkultur: Whiskey, Süß. Sauer. Gefährlich süffig.

Whiskey Sour - ein Working Class Hero

Ehrlich, rau und zeitlos. Quentin Tarantino hat diesem Klassiker in Once Upon a Time in Hollywood nicht ohne Grund ein Denkmal gesetzt. Wir alle haben die Bilder im Kopf, wie Leonardo DiCaprio als Rick Dalton den Cocktail kübelweise kippt, eine Verbeugung vor einem Drink der eine Haltung zeigt. Der Whiskey Sour ist kein Trend, er ist Geschichte.

Schon 1862 stand er im ersten Bar-Handbuch der Welt, „The Bartenders Guide von Jerry Thomas“. Und Tarantino wusste genau, warum er im Film die Krüge voll davon hinstellt: Während der Jetset Champagner trank, blieb der Whiskey Sour der Drink der Macher, derer, die hart arbeiteten und hart tranken, der Drink in Hollywood der 60iger- elegant genug für die Ladies, kräftig genug für die Kerle.

Symbol für Souveränität

Er ist das Symbol für Souveränität. Wir in unserer Generation müssen niemandem mehr beweisen, dass wir jeden Trend mitmachen.

DAS REZEPT: ULIS WHISKEY SOUR

ZUTATEN:

  • 6 cl Bourbon Whiskey (Ich empfehle den Evan Williams Bottled-in-Bond, die 50% halten den Drink stabil)

  • 3 cl Frischer Zitronensaft ( frische Zitronen, handgepresst!)

  • 2 cl Zuckersirup von Monin

  • 3-4 Dashes Fee Foam von Fee Brothers für die perfekte, vegane Schaumkrone

  • Garnitur: Amarena-Kirschen von Fabbri

ZUBEREITUNG:

  1. Dry Shake: Whiskey, Saft, Sirup und Fee Foam ohne Eis in den Shaker geben. Kräftig schütteln! Das ist der Zaubertrick für den standfesten Schaum.

  2. Wet Shake: Jetzt reichlich Eis dazu und nochmal schütteln, bis der Shaker von außen beschlägt und die Finger fast festfrieren.

  3. Servieren: Den Mix durch ein Sieb in einen vorgekühlten Tumbler auf frisches Eis abseihen. Wichtig: Nie das Eis im Glas anschmelzen lassen, Schmelzwasser immer abgießen, sonst schmeckt der Drink wässrig und kann sein Aroma nicht entfalten.

  4. Das Finale: Die Fabbri-Kirsche auf die Schaumkrone setzen.

Wenn der SC wieder verliert, dann machen wir es wie Rick Dalton, der mixt ihn sich im Film direkt im Blender (Mixer) – wie in den 60igern, als man Cocktails zu Hause in großen Kübeln („Pitcher“) für Partys vorbereitet hat.

Prost!