WAGNER Journal des Luxus und der schlechten Laune
Hass auf Quersteifen
Quergestreift im Büro - das geht gar nicht!
MODE UND BERUF
Matthias Bonjer
1/18/20262 min read


Im Leben gibt es viele ungeschriebene Gesetze zur richtigen Kleidung. Auf der Party oder am Arbeitsplatz.
"Des Kaisers neue Kleider" gilt als Kindermärchen einerseits für die Gleichheit sowie als
abschreckendes Beispiel des Themas Kleidung im Amt. Das Ökosystem eines Büros ist so ein Ort voller solcher ungeschriebener Bekleidungsgesetze in Amtswürden.
Eines der Wichtigsten lautet: Man darf alles tragen, solange es nicht laut „Ersti!" schreit. Und nichts schreit lauter als ein langärmeliges Shirt mit schwarz-weißen Querstreifen.
Das Spannungsfeld entsteht durch den Übergang der Probier- oder Studienzeit, was auch immer studiert
wurde, zur Bruttosozial-Vollzeitkraft. Indes: Streifen sind keine Mode. Sie sind eine Zeitmaschine. Sie katapultieren uns direkt zurück in die Studienzeit, in schlecht beheizte Hörsäle, Matedrinks und das
feste Versprechen, „nach dem Abschluss mal was richtiges machen" äh zu werden.
Schwarz-weiß geringelt also heißt: Ich habe gerade noch eine Hausarbeit abgegeben oder verdränge erfolgreich, dass ich sie nie abgegeben habe. Können im Berufsleben hingegen diese
Streifen plötzlich Kompetenz transportieren? Können sie nicht. Sie vermitteln maximal die Erinnerung an Mensa-Essen und Gruppenarbeiten, in denen niemand wusste, wer eigentlich was macht.
Querstreifen sagen nicht „Ich bin hier, um Verantwortung zu übernehmen" sondern „Ich habe dieses Shirt vor zehn Jahren bei Hasi&Mausi gekauft und es lebt immer noch".
Dabei ist es völlig egal, in welcher Verkleidung die Streifen auftreten. Shirt, Pulli, DOB oder HOB - das Muster bleibt was es ist: das Muster der professionellen Dürre. Bestenfalls die abzustreifende Haut
aus dem Kokon der Spätjugend.
Mit dem bereits i n der 7. Klasse gestärktem Bewusstsein für die Life-Life-Balance - Arbeit stört - wächst proportional zur Tragedauer der Streifen der Anspruch an die Arbeitswelt, dass jene auf dich
gewartet hat. Gehalt und Extras heißen die Streifenhörnchen sofort und
angemessen willkommen.
Also weg mit den Streifen!? Streifen nivellieren alles: Hierarchie, Anspruch, Ernsthaftigkeit. Alle sehen gleich aus - wie ein Kollektiv kurz vor dem Semesterticket-Kauf. Natürlich, niemand will Krawattenzwang oder Kostüm-Marathon. Aber irgendwo zwischen „akademische Übergangsphase"
und „Berufsleben" liegt ein stiller Abschied. Ein Abschied von Querstreifen, die uns sagen: Du bist noch unterwegs. Das Büro aber sagt: Du bist angekommen. Zieh dich bitte auch so an.
Kurz gesagt: Langarmshirts mit Querstreifen sind kein modisches Statement. Sie sind ein nostalgischer
Rückfall. Und Nostalgie ist schön - aber bitte nach Feierabend.
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