WAGNER Journal des Luxus und der schlechten Laune

Künftig nur noch mit dem Bus?

Früher wurde einem morgens schwindlig, wenn man zu viel getrunken hatte. Heutzutage, jenseits der Sechzig, reicht eine schnelle Bewegung beim Aufstehen und der Kreislauf kommt nicht mehr mit. Das Saufen kann man sich schon mal sparen, bald auch das Autofahren?

GESELLSCHAFT

Karl-Heinz Hüning + Patrick Jungblut

4/22/20263 min read

Jahrelang habe ich mein altes Auto geliebt. Zuletzt war es nur noch unpraktisch: zu tief gelegt und zu eng, um bequem einzusteigen; die Pedale so dicht beieinander, dass die Gefahr, einmal danebenzutreten, immer drängender wurde. Außerdem drohten große und vor allem kostspielige Reparaturen. Also habe ich den Wagen verkauft, solange ich noch einen guten Preis dafür erzielen konnte. Aber schon drei Tage später, es regnete in Strömen und ich wusste nicht, wie ich die Kiste Wasser aus dem Supermarkt nach Hause bekommen sollte, bereute ich den Verkauf.

Patrick Jungblut lebt nicht wie ich in der Großstadt, sondern im Münsterland. Dort, in Heiden am Rande des Ruhrgebiets, verkauft er Autos. So wie ich kommen viele Ältere in die Firma, in der er arbeitet, und fragen, was sie machen sollen.

Karl-Heinz Hüning: Sollte man sein Auto abschaffen, wenn man älter wird, oder muss man sich dann einfach nur ein anderes besorgen?

Patrick Jungblut: Das kommt ganz auf die Lebenssituation an. Lebst du in der Stadt oder auf dem Land, wie ist die Infrastruktur, der öffentliche Nahverkehr? Im eher ländlichen Raum, mit schlechter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, kann man nicht komplett aufs Auto verzichten. In der Stadt sieht das möglicherweise anders aus.

Karl-Heinz Hüning: Was für ein Auto sollten Menschen ab 60 fahren?

Patrick Jungblut: Das kommt, wie gesagt, ganz auf die Lebensumstände an. Übermotorisiert sollte ein Auto für ältere Fahrer nicht sein, man muss außerdem bequem einsteigen können, damit man auch leicht wieder rauskommt. Wie oft muss man zum Arzt? Wie oft muss man in der Woche einkaufen? Hat man eine Parkmöglichkeit? Das alles spielt eine Rolle. Generell geht die Tendenz zum kleineren Auto und auch zum Elektroauto. Überhaupt ist es ratsam, sich zu verkleinern und auf die Kosten zu achten, auch was mögliche Reparaturen angeht.

Karl-Heinz Hüning: Sind denn große, teure Autos nicht werthaltiger? Sollte man also nicht besser einen hochpreisigen Wagen kaufen, damit man ihn später auch wieder für gutes Geld verkaufen kann?

Patrick Jungblut: Nein, das ist nicht so. Autos sind Alltags- und Gebrauchsgegenstände, abgesehen von Oldtimern oder speziellen Fahrzeugen. Hinzu kommt der rapide Wertverlust. Wenn du heute in einen Neuwagen einsteigst, ist er morgen bei der Neuzulassung schon 20 Prozent weniger wert.

Karl-Heinz Hüning: Sollte man ein neues Auto kaufen oder ein gebrauchtes?

Patrick Jungblut: Wenn das Budget da ist, spricht nichts dagegen, sich auch ein neues Auto zu kaufen, ganz nach dem eigenen Geschmack. Auch einen SUV zum Beispiel, was eigentlich die am wenigsten sinnvolle Fahrzeugklasse ist, abgesehen von der Sicherheit, weil nicht besonders nachhaltig. Um den Werterhalt etwas zu beeinflussen, sollte man außerdem auf sinnvolle Ausstattungsvarianten und geschmackvolle Farbkombinationen achten.

Karl-Heinz Hüning: Ich habe mein altes Auto über ein Online-Portal verkauft. Stimmt mein Eindruck, dass der Gebrauchtwagenmarkt, wie wir ihn kennen, so gut wie tot ist?

Patrick Jungblut: Ja, der Eindruck ist gar nicht so falsch. Es gibt natürlich noch den klassischen stationären Handel, wo auch noch viele Fahrzeuge in Zahlung gegeben werden. Aber die großen Online-Auktionsplattformen gewinnen immer mehr an Bedeutung, weil der Verkauf dort einfach ist und auch gute Verkaufspreise erzielt werden.

Karl-Heinz Hüning: Elektroauto oder Verbrenner?

Patrick Jungblut: Auch hier kommt es immer auf die Umstände an: Hast du ein Eigenheim oder wohnst du zur Miete? Hast du einen eigenen Parkplatz? Gibt es einen Carport? Ist eine Solaranlage auf dem Dach? Wie viel wird gefahren, wie oft? Das sind alles Faktoren, die bei der Entscheidung eine Rolle spielen sollten. Für ein Elektroauto sprechen ganz klar die staatlichen Förderanreize, auch wenn die Ladeinfrastruktur noch immer ein Problem ist.

Karl-Heinz Hüning: Aber Elektroautos sind ein Drittel teurer als Fahrzeuge mit Verbrennermotor.

Patrick Jungblut: Spielt keine Rolle. Aktuell gibt es bis zu 6.000 Euro Förderung, abhängig vom Haushaltseinkommen, der Anzahl der Kinder sowie dem Fahrzeugtyp.

Karl-Heinz Hüning: Es gibt also starke Anreize, ein neues Elektroauto zu kaufen.

Patrick Jungblut: Hinzu kommt, dass der Gebrauchtwagenmarkt momentan stark überhitzt ist. Die Preise sind so hoch wie noch nie. In den vergangenen zehn Jahren haben sie sich so gut wie verdoppelt. Aber man muss trotzdem immer nach Angeboten Ausschau halten. Momentan sind die Anreize, einen Neuwagen zu kaufen, gut, da die Hersteller alles abverkaufen müssen und die Lager voll sind. Ganz wichtig: gezielt nach Rabatten und Sonderkonditionen fragen! Zum Beispiel können Inhaber eines Schwerbehindertenausweises bis zu 30 Prozent Rabatt aushandeln.