WAGNER Journal des Luxus und der schlechten Laune

Len Deighton: Berliner Spiel

Originaltitel: Berlin Game Titel der deutschen Erstausgabe: Brahms Vier Übersetzt von Hedda Pänke Erscheint am 17. März 2026

BUCHKRITIK

Karl-Heinz Hüning

1/31/20262 min read

In Großbritannien und den USA ist Len Deighton genauso berühmt wie die Großmeister Eric Ambler und John le Carré, nur bei uns in Deutschland sind seine Spionageromane seit Jahrzehnten vergriffen.

Niemand liest sie noch, dabei sind die Bücher unfassbar gut. Und die Deutschen und das geteilte Berlin spielen darin fast immer die Hauptrolle.

Am ehesten erinnert man sich noch an die Deighton-Verfilmungen aus den 1960er Jahren. Michael Caine feierte als Geheimagent Harry Palmer damals seinen Durchbruch.

Mit dicker Hornbrille und Working-class-Appeal gegen die versnobten Eton-Boys im MI-6, dem britischen Auslandsgeheimdienst. Harry Palmer als Deightons Alter Ego: Zynisch, schlau, unerschrocken und rotzfrech.

Ian Flemmings James Bond wirkt dagegen wie ein braves Abziehbild.

Der Zürcher Kampa-Verlag sorgt jetzt dafür, dass zumindest einige der Deighton-Bücher wieder bei uns auf den Markt kommen. Insgesamt sind es 31. Die letzten drei, sie heißen „Faith“, „Hope“ und „Charity“ (Glaube, Liebe, Hoffnung), sind sogar noch nie auf Deutsch erschienen.

Nach „Berliner Spiel“ folgt Ende Mai „Mexiko Poker“ und Mitte Juli veröffentlicht der schweizer Verlag schließlich „London Match“.

„Faszinierender und komplexer können Spionageromane gar nicht sein.“ Mit diesem Zitat aus der Londoner Times bewirbt Kampa die Geschichten aus dem Kalten Krieg. Bescheiden geht anders. Aber es wird ja auch höchste Zeit, dass man endlich wieder zu lesen kriegt, was Deightons anderem Protagonisten, er heißt Bernard Samson, alles zustößt:

Der Inhalt: „Brahms vier“, ein Informant des britischen Auslandsgeheimdienstes, will möglichst schnell aus der DDR rausgeholt werden. Der KGB ist ihm auf den Fersen. Vor zwanzig Jahren hat „Brahms vier“ Bernard Samson das Leben gerettet. Samson reist nach Ostdeutschland, um ihm die Flucht zu ermöglichen. Bald muss Bernard Samson aber feststellen, dass ihm ein sowjetischer Maulwurf schmerzlich nahe gekommen ist.

Hört sich eher konventionell an, ist aber toll erzählt. „Scharfsinnig, geistreich und zynisch“, findet der Observer aus London. Ein Beispiel.

In einem anderen Buch, es heißt „Finale in Berlin“, berichtet Deighton über einen Witz, den man sich Anfang der sechziger Jahre in der damals kommunistischen Tschechoslowakei erzählte:

„Die Fabrikarbeiter sagen, es sei unmöglich, irgendetwas richtig zu machen. Wenn man fünf Minuten zu früh kommt, ist man ein Saboteur; wenn man fünf Minuten zu spät kommt, verrät man den Sozialismus; wenn man pünktlich kommt, fragen sie: ‚Woher hast du die Uhr?‘“