WAGNER Journal des Luxus und der schlechten Laune

Martenstein übernimmt von Wagner

Und weil KI bekanntlich alles kann, haben wir ChatGPT gebeten, im Namen von Franz Josef Wagner, einen Brief an dessen Nachfolger zu schreiben. Quasi Post aus dem Jenseits. Das Bild hat übrigens auch der Bot gemalt.

JOURNALISMUS

Matthias Bonjer

2/10/20261 min read

Mein Beitragsinhalt

Lieber Harald Martenstein,

Sie schreiben über mich, als hätten sie mich betreten. Wie einen Raum. Wie ein Museum, in dem Sie kurz den Mantel ausziehen, um zu zeigen, dass Sie dazugehören.

Ich sage Ihnen aber: Ich war kein Raum. Ich war der Lärm im Treppenhaus.

Sie erzählen den Lesern von unserer einzigen Begegnung, als sei sie eine literarische Taufe gewesen. Ein Moment, der Sie legitimiert.

Sie beschreiben meine Art mit leichtem Staunen, mit dieser freundlichen Ironie, die sagt:

„Ich bin klüger als das hier, aber ich steige trotzdem ein.“ Das ist Ihre große Pose: der Mann, der sich herablässt. Ich dagegen habe mich nie herabgelassen. Ich bin immer direkt reingesprungen.

Sie nennen mich "Tante Käthe" und „Gossen-Goethe“. Und wollen, dass man sie selbst irgendwann "Currywurst-Kafka" nennt. Das schmeichelt mir.

Ich habe Goethe gelesen und Goethe hätte mich gelesen. Denn ich schrieb nicht, um zitiert zu werden, ich schrieb, um zu wirken. Um Wut zu erzeugen, Tränen am Küchentisch, im Bus oder bei EDEKA.

Ich war eitel, ja. Ich wusste, dass man mich las. Ich wusste, dass man sich über mich aufregte. Und ich wusste: Aufregung ist Nähe.

Sie hingegen wollen scheinbar gemocht werden, bevor Sie zuschlagen. Mut mit Vollkasko-Versicherung.

Sie schreiben, sie glauben, wir hätten uns gemocht. Das ist sehr gut möglich, Sie haben bisher fast alles richtig gemacht.

Aber ich mochte immer vor allem eines: Meine eigene Stimme behalten. Ich habe sie nie verliehen.

Sie sind jetzt Kolumnist bei Deutschlands meistgelesener Zeitung. Herzlichen Glückwunsch zum Neuanfang mit 72.

Aber verwechseln Sie nicht die Bühne mit dem Echo. Ich war kein Amt. Ich war das Ereignis.

Schreiben Sie ihre Texte, Harald. Schreiben Sie klug. Schreiben Sie schön. Aber hören Sie auf, mich dabei mitzuschreiben.

Ich brauche Sie nicht, um existiert zu haben. Aber Sie brauchen mich offenbar noch, um größer zu wirken.

Herzlich, eitel, unersetzlich, ihr

Franz Josef Wagner