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„Endlich ist bald wieder COP!“

Was die junge Frau am Mikrofon des Deutschlandfunks meint, als sie das sagt, ist weder eine fiese Lungenkrankheit (COPD) noch ein neuer Bestandteil des Weihnachtszyklus, auf den sich die Moderatorin schon riesig freut. Es geht um die UN-Klimakonferenz, die vom 9. bis 20. November im türkischen Antalya stattfindet – die sogenannte COP31.

Lesezeit: 3 Minuten

Ein Ereignis, das inzwischen genau wie Weihnachten zuverlässig jedes Jahr wiederkehrt. Gleichzeitig sei um Pardon bei der Moderatorin gebeten: „Junge Frau am Mikrofon“ ist relativ – die Dame steuert mittlerweile wohl eher auf die 50 zu als auf die 40. Alles eine Frage der Perspektive.

Konferenz-Zirkus dreht sich weiter

Bis zu 100.000 Teilnehmer werden dieses Jahr bei der COP erwartet, darunter rund 70 Staats- und Regierungschefs. Die Moderatorin im DLF spricht zwar konsequent nur von Teilnehmerinnen, man darf aber davon ausgeben, dass der eine oder andere Mann auch dabei sein wird.

Seit nunmehr 31 Jahren dreht sich dieser Konferenz-Zirkus. Das Konzil von Trient war mit seinen 18 Jahren Dauer dagegen fast eine Kurzveranstaltung – und damals (1545–1563) ging es immerhin um die offizielle Antwort der katholischen Kirche auf die protestantische Reformation.

Zumindest die Unterbringung von zigtausenden Politikern, Aktivisten und Journalisten dürfte diesmal kein Problem sein: In Antalya herrscht Nachsaison, die Hotelbetten stehen leer. Die türkischen Gastgeber wird es freuen. Erstmals ist die Präsidentschaft der Klimakonferenz zweigeteilt – die Türkei übernimmt die Logistik und die Aktionsagenda vor Ort, während Australien die Verhandlungsleitung führt.

Geschrumpfter Wasserkopf

Die offizielle deutsche Regierungsdelegation ist diesmal auf rund 160 Mitglieder geschrumpft, beim letzten Mal waren es noch 260. Hinzu kommt jedoch wieder der gewohnt gewaltige Tross aus Lobbyisten, Wissenschaftlern und Berichterstattern.

Anders als bei früheren Gipfeln, auf denen die Grundregeln des Pariser Klimaabkommens erst mühsam erarbeitet werden mussten, liegt der Schwerpunkt diesmal – so heißt es jedenfalls – auf der konkreten Umsetzung und Nachschärfung der bestehenden Klimaziele. Alles, um den Kurs auf die 1,5-Grad-Grenze zu halten. Es geht um den Ausstieg aus fossilen Energien, um Elektrifizierung und Kreislaufwirtschaft sowie – vor allem – um Finanzierung und Anpassung: Die Reichen sollen den Armen Geld geben. Ein Prinzip, das, wie die Geschichte zeigt, selten wie versprochen funktioniert.

Konsens ist Pflicht

Bei allen Beschlüssen gilt das Prinzip der Konsensfindung: Alle 196 Staaten müssen zustimmen. Das Ergebnis sind erwartbar vage Formulierungen und Formelkompromisse, die niemandem wehtun. Kritische Beobachter nennen das, was am Ende auf dem Papier steht, inhaltsleere Absichtserklärungen ohne echte Kontrollmechanismen.

Regelmäßig kommt es bei den Verhandlungen zu „dramatischen“ Verlängerungen in den Wochenend-Nachtschichten, bis endlich alles in trockenen Tüchern ist. Jene kritischen Beobachter sprechen dann gerne von einem inszenierten Schmierentheater. Besonders amüsant ist es zu beobachten, wenn die berichterstattende ARD- oder ZDF-Reporterin vor lauter künstlicher Aufregung beinahe Schnappatmung bekommt (Männer sind auch nicht besser).

Die Umsetzung der ohnehin dehnbaren Beschlüsse bleibt schließlich jedem Land selbst überlassen. Das System verpflichtet die Staaten lediglich dazu, ihre Emissionen und Fortschritte alle fünf Jahre offenzulegen und die Ziele kontinuierlich nachzubessern. Wer seine Zusagen bricht, verliert international das Gesicht. So der Plan. Ein zahnloser Tiger.

Ein Tiger ohne Zähne

Für die Wirtschaft ist das Thema längst ein Segen: Klima und Umwelt sind mit rund 3,4 Millionen Beschäftigten allein in Deutschland zu einem mächtigen Wirtschaftszweig gewachsen. Viele Karrieren hängen daran; manche Klimaaktivistin ist mittlerweile hauptberuflich und hochbezahlt unterwegs. Wer kein Volontariat beim DLF ergattert und keine Lust auf Gender-Studies hat, kann mittlerweile folgerichtig „Klimarecht und Gesellschaft“ studieren.

Ein zentraler Bereich, denn die COP-Beschlüsse bilden das Fundament für strategische Klimaklagen vor nationalen und internationalen Gerichten. Die Justiz schafft zwar keine eigenen Klimaziele, aber sie zieht die politischen Zusagen der COP-Konferenzen heran, um die Staaten an ihren eigenen rechtlichen und verfassungsmäßigen Schutzpflichten zu messen.

Europas Justiz macht Druck

Wie die Großmächte USA, China und Russland allerdings mit ihrer Verpflichtung zur Bewahrung der Schöpfung umgehen, steht freilich auf einem ganz anderen Blatt.

An konkreten Erfolgen haben die Klimakonferenzen außer viel Pomp und Papier bislang ohnehin wenig vorzuweisen. Ohne Klimaanlage werden vor allem alte Menschen auch bei uns bald kaum noch Chancen auf ein erträgliches Leben im Sommer haben. Die aktuellen nationalen Zusagen reichen laut UN-Analysen bei weitem nicht aus, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten; die Welt steuert derzeit auf eine Erwärmung von 2,3 bis 2,5 Grad zu.

Auch die COP31 in der Türkei wird daran nichts ändern. Im Gegenteil: Die ökologische Bilanz des Konferenzbetriebs selbst ist verheerend. Der Gipfelzirkus erzeugt durch seine schiere Größe und die tausenden Flugreisen mittlerweile selbst messbare negative Effekte für das globale Klima, das er zu retten vorgibt.

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