WAGNER Journal des Luxus und der schlechten Laune
Gestolpert über Windelkartons
Oder: Warum der Rücktritt des CDU-Bundestagsabgeordneten Jens Spahn als Chef der Unionsfraktion nicht reicht. Über verantwortungslose Politiker, die rücksichtslos versuchen, Karriere zu machen, mangelnde Kontrolle und Größenwahn.
POLITIK
Matthias Heinrich
7/19/20264 min read


Glaubt man seinem Lebenslauf, hat Jens Spahn nach seinem Abitur 1999 Bankkaufmann gelernt und bis 2002 in diesem Beruf gearbeitet, doch der Job machte wohl keinen Spaß, parallel dazu zimmerte Spahn an seiner CDU-Karriere.
Erfolgreich - 2002 kam der Jungspund in den Bundestag, schusterte nebenbei einen Uni-Abschluss zusammen - machte – das wird er heute nicht mehr gerne hören wollen – unter Merkel Karriere, schaffte es schließlich bis zum Bundesgesundheitsminister.
Genie oder Wahnsinn?
Mir machen solche Karrieren immer Angst, stellt sich da doch immer auch die Frage „Genie oder Wahnsinn?“
Im Falle von Jens Spahn würde ich sagen, stellt ihn kalt, es ist ein Wahnsinniger mit genialen Anwandlungen. Kostproben von Machtgier und Selbstbedienungsmentalität:
2018 wollte Spahn Angela Merkel als Parteivorsitzende beerben, das Kanzleramt vor Augen, scheiterte aber an Annegret Kramp-Karrenbauer, die Merkel damals zum Jagen tragen musste, das Ende ist bekannt.
2020 wollte der Shootingstar dann zum zweiten Sprung ansetzen, reihte sich nach Intervention von Parteifreunden hinter dem Merkelianer Armin Laschet ein, der verlor bekanntlich gegen Friedrich Merz.
Spahn mutierte zur Motte
Jens Spahn mutierte zur Motte, ähnlich wie eine ebenfalls erfolglose rheinland-pfälzische Landespolitikerin und spätere schwache Landwirtschaftsministerin, Julia Klöckner, mit der Qualifikation Weinkönigin. Sie postete zum Beispiel einen Artikel mit nachweislich falschen Zahlen zu den Kosten zahnärztlicher Versorgung von Asylbewerbern.
Heute ist die Frau auf dem protokollarisch wichtigsten Posten Deutschlands.
Beide umschwirrten den neuen strahlenden Hoffnungsträger Friedrich Merz.
Daß dieser zu einem Scheinriesen Herrn Tur Tur mutierte, lag nicht zuletzt an seinem frisch gekürten Fraktionschef Spahn, der beim Start der schwarz-roten Koalition an der komplexen Frage Koordination und Abstimmung mit dem Partner scheiterte.
Regeln gelten für Alle, doch nicht für ihn
Merz hätte vor der Aufstellung seines Personaltableaus einfach mal googeln müssen. Dann hätte er festgestellt: Regeln gelten für Alle, doch nicht für Jens Spahn.
2020 kauften Spahn und sein Gatte für ca. 4 Millionen eine Luxusvilla mit grünen Berliner Südwesten. Beruflich war die Karriere von Jens Spahn damals unklar, bei anstehenden Wahlen hätte man ja auch verlieren können. Finanziert von der Sparkasse Westmünsterland, bei der Spahn einst im Verwaltungsrat gesessen hatte. Abgesichert mit einer angeblichen Erbschaft des Gatten in Österreich, die laut Spiegel so wohl nicht existierte.
Der gelernte Bankkaufmann Spahn konnte offenbar aber nicht rechnen, nach aufwendigen Renovierungsarbeiten musste der Bau lt. Spiegel mit 200.000 Miesen verkauft werden.
Mit einem Spendendinner im Corona-Jahr 2020 (laut Spiegel ohne Masken) sammelte Spahn rund 100.000 Euro ein. Der Aufruf seines Ministeriums, sich in der Pandemie nicht privat zu versammeln, galt für alle, nur nicht für den Minister selbst.
Beförderung trotz eigenen Versagens
Über die Masken-Affäre hat Tim van Beveren hier ausgiebig geschrieben, incl. Mauscheleien und der Teflon-Schicht, mit der Spahn sich offenbar täglich einsprüht. Ich erspare mir die Wiederholung der Geschichte über das Verbrennen von über 2 MILLIARDEN Euro an Steuergeldern.
Friedrich Merz beförderte Spahn trotzdem zum Fraktionschef, Dummheit macht auch vor einem Kanzler nicht halt.
Und auch, daß Spahn sich regelmäßig zu Treffen mit dem Tech-Unternehmer Peter Thiel, Trump-Vertrauter und Vertreter anti-demokratischer Thesen, einkaufte, glitt am karrierebewussten Spahn ab und störte die Partei nicht.
Doch nun stolpert der Senkrechtstarter ausgerechnet über Windelkartons. Jens Spahn predigte Wasser und nahm einen tiefen Schluck aus der (Baby-)Flasche.
Denn etwas Vetterles-Wirtschaft und ein bisschen Haut Goût bei politischen Verbindungen, das sieht die CDU immer nach, jedoch öffentliche Demütigung der Partei durch Missachtung eigener Beschlüsse, das ist zu starker Tobak!
Und das tat "Jens-Zuerst" Spahn , indem er sich über die von ihm selbst mitgetragenen und vertretenen Beschlüsse seiner noch immer christlichen Partei schnoddrig hinwegsetzte.
Was schert den Machtbewussten sein Geschwätz von gestern?
Spahn kaufte sich eine Leihmutter für ordentlich Kohle in den USA. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten - auch mit der Stimme von Spahn selbst. Doch was schert den Machtbewussten sein Geschwätz von gestern, für ihn gelten andere Regeln, mag er sich bei seinem Post auf Instagram gedacht haben.
Stolz der frischgebackene Papa. Spahn am Kinderwagen mit Inhalt „gekauftes Kind“ im Selfie vom Ehemann zeigt der Post auf Insta.
Nebenbei bemerkt, die andere „Motte“ um Strahlemann Merz, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, jubelte unter dem Post „Alles Gute für Euch.“ Vielleicht hatte sie gerade zu tief ins Pfälzer Weinglas geschaut und weinselig die Beschlusslage ihrer eigenen Partei vergessen.
Spahn hat den Fraktionsvorsitz nun niedergelegt, nicht der Druck von außen, sondern der Aufstand in der eigenen Partei gab den Ausschlag - es ist das Mindeste. Hätte der Mann auch nur einen Funken Ehre im Leib, würde er auch sein Mandat zurückgeben.
Denn letztlich hat der Bundestagsabgeordnete Jens Spahn auch seine Wähler im Wahlkreis Steinfurt/Borken in Nordrhein-Westfalen getäuscht. Denn die haben ihn als CDU-Vertreter für eben dessen Positionen auch zur Ablehnung von Leihmutterschaft seit Jahren direkt gewählt.
Eigentlich sollte seine Fraktion ihm endlich den Stuhl vor die Tür stellen, doch dazu ist der Mann wohl immer noch zu gut vernetzt.
"Schwamm drüber" ist keine Option
Ob die gekaufte Leihmutterschaft der politischen Karriere von Jens Spahn wirklich schadet, wird die Kandidatenaufstellung in seinem Wahlkreis zur nächsten Wahl zeigen, „Schwamm drüber“ sollte keine Option sein.
P.S.: Warum hat der Mann eigentlich kein Kind adoptiert? Es gibt genug Kinder, die dringend auf Halt und Hilfe angewiesen sind, doch das ist mit dem Ego und dem Selbstbild von Jens Spahn offenbar nicht vereinbar.