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Die Asphaltknackerinnen – Frauen, die aus Grau lebendiges Grün machen

Mörderhitze und kein Baum auf dem neugestalteten Berliner Gendarmenmarkt, der kühlen Schatten spendet. Eine Initiative in der Schweiz zeigt, wie man es auch bei uns in Deutschland besser machen könnte. Mit Presslufthammer, Fördergeldern und viel Herz verwandeln starke Frauen asphaltierte Parkplätze und Hinterhöfe in kühle, artenreiche Oasen.

Lesezeit: 4 Minuten

Grün statt Grau: Die Asphaltknackerinnen machen Schweizer Städte zu kühlen Oasen. In Zürich, Winterthur und im Kanton Luzern brechen engagierte Frauen den Asphalt auf und bringen neues Leben in die Stadt. Sie zeigen, wie aus grauen Parkplätzen und Hinterhöfen blühende, klimafreundliche Grünflächen entstehen. Ihr Motto: Jeder Quadratmeter zählt.

Die Initiative wurde von den ehemaligen Fernsehjournalistinnen und Umweltfachfrauen Isabella Sedivy und Bettina Walch gegründet. Mit ihrer Firma Plan Biodivers wollten sie nicht nur über Biodiversität sprechen, sondern auch praktisch handeln. So wurden sie zu den Asphaltknackerinnen. Mittlerweile machen weitere engagierte Frauen mit. Gemeinsam nehmen sie versiegelte Flächen, die nicht gebraucht werden, und ersetzen sie durch heimische Pflanzen.

Warum ist das wichtig?

In Schweizer Städten und Ballungsräumen sind viele Flächen stark versiegelt. In dicht bebauten Gebieten sind es oft mehr als 60 Prozent. Landesweit liegt der Anteil versiegelter Böden bei etwa 5 Prozent der Gesamtfläche. Besonders in Städten, wo Hitze und Starkregen zunehmend zur Belastung werden, ist Handeln nötig. Hier setzen die Asphaltknackerinnen an und machen aus grauem Asphalt wieder grünes Leben.

Studien zeigen, dass entsiegelte und begrünte Flächen die Umgebung um mehrere Grad Celsius abkühlen können. Unterschiedliche Ergebnisse nennen Temperaturunterschiede zwischen 1 und 5 °C, unter Bäumen sogar bis zu 10 °C. Der Boden speichert Wasser, fördert die Artenvielfalt und macht Städte widerstandsfähiger gegen Hitze und Starkregen.

Die Asphaltknackerinnen machen den Weg dorthin erstaunlich einfach. Wer einen privaten Parkplatz, einen Hinterhof oder ein Firmenareal umgestalten möchte, bekommt eine kostenlose Beratung. Sie helfen bei Förderanträgen, vermitteln erfahrene Naturgartenbau-Firmen und übernehmen oft die Kosten für Abtransport und Entsorgung des Asphalts. In Zürich sind sie Teil des Programms «Stadtgrün» und ermöglichen Rückerstattungen von bis zu 50 Prozent der Baukosten. In Winterthur und im Kanton Luzern (außerhalb der Stadt Luzern) ist das Angebot genauso unkompliziert, und die Beratung bleibt dort bis Ende 2026 sogar kostenlos.

Die Erfolge sind deutlich: In Zürich wurden schon über 1.000 Quadratmeter entsiegelt. In Winterthur gab es innerhalb weniger Monate viele Anfragen, und im Luzerner Sonnenhofquartier in Emmen wurden kürzlich um die 150 Quadratmeter Asphalt durch Pflanzen und Kies ersetzt – mit spürbarer Abkühlung. Jedes Projekt wird dokumentiert und inspiriert andere.

Mit Unterstützung der Mobiliar Genossenschaft, Grün Stadt Zürich, der Stadt Winterthur und dem Kanton Luzern zeigen die Asphaltknackerinnen, dass Klimaanpassung nicht kompliziert oder teuer sein muss. Mit Herz, Fachwissen und praktischer Hilfe machen sie aus Grau Grün und laden alle zum Mitmachen ein. Eine kühlere, artenreichere und lebenswertere Stadt beginnt oft direkt vor der eigenen Haustür.

Die Gartenstraßen von Paris

Unter der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo begann Paris während ihrer Amtszeit damit, den öffentlichen Raum umzugestalten und setzte auf mehr Grün. Mit den sogenannten rues jardin (Gartenstraßen) sollen Hunderte Straßen nach und nach in verkehrsberuhigte, begrünte Oasen verwandelt werden. Einwohnerinnen und Einwohner können mit der Genehmigung «Permis de végétaliser» selbst öffentliche Flächen oder Hauswände bepflanzen. Trotz dieser Fortschritte hat Paris mit etwa 8,6 Quadratmetern Grünfläche pro Einwohner aber noch nicht die WHO-Empfehlungen erreicht – das ist ein klarer Ansporn, weiterzumachen.

Barcelona – Superblocks (Superilles)

In Barcelona werden mit dem Konzept der Superblocks (Superilles) jeweils neun Häuserblöcke zu einer verkehrsberuhigten Einheit zusammengefasst: Der Durchgangsverkehr bleibt auf den Randstraßen, während im Inneren Schrittgeschwindigkeit gilt und Fußgänger sowie der öffentliche Verkehr Vorrang haben. Asphaltierte Flächen werden nach und nach entsiegelt und in begrünte Oasen, Spielplätze und Begegnungszonen verwandelt. Das Ergebnis:deutlich weniger Abgase und Feinstaub, eine spürbare Kühlung an heißen Tagen und eine höhere Lebensqualität – mit weniger Lärm und mehr Sicherheit für Kinder.

Auch in Deutschland wächst die Bewegung

Seit 2025 läuft unter dem Namen «Abpflastern» ein bundesweiter Wettbewerb, bei dem Städte, Gemeinden und Privatpersonen möglichst viele versiegelte Flächen – Pflastersteine, Asphalt, Beton und Schottergärten – entfernen und begrünen. «Abpflastern» wurde inspiriert durch das niederländische Tegelwippen wo, laut Berichten, allein in der Saison 2023 um die 400.000 m² – über 4,5 Millionen Pflastersteine – entsiegelt und durch Beete, Bäume und wasserdurchlässige Flächen ersetzt wurden. Viele Kommunen bieten kostenlose Abholdienste für die Steine mit dem ‘Tegeltaxi’ an. Amsterdam setzt außerdem stark auf blau-grüne Dächer, die Regenwasser speichern und kühlen.

Die Aktion «Abpflastern», als deutsches Pendant zu den Asphaltknackerinnen gedacht, wird von Studierenden der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz organisiert. Jede entsiegelte Fläche zählt und wird auf www.abpflastern.de gemeldet. Städte wie Frankfurt, Hamburg, Mainz und Chemnitz machen schon mit. So entsteht in Deutschland Schritt für Schritt mehr Grün statt Grau, und die Städte werden kühler, wasserdurchlässiger und lebenswerter.

Die richtigen Pflanzen machen den Unterschied

Sobald der Asphalt entfernt ist und der Boden wieder atmen kann, beginnt das eigentliche Wunder. Besonders geeignet sind einheimische Wildpflanzen und robuste, trockenheitsverträgliche Arten. Natternkopf, Skabiose, Malven, Glockenblumen und Wildblumenmischungen fühlen sich auf den oft mageren, sonnigen Flächen wohl. Auch Lavendel, Thymian, Oregano und verschiedene Sedum-Arten gedeihen gut und brauchen wenig Pflege. Diese Pflanzen sehen nicht nur schön aus, sondern bieten auch wertvolle Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge und viele andere Insekten.

So wird aus einer grauen Asphaltfläche in kurzer Zeit ein blühendes Stück Natur, das die Stadt kühlt, Regenwasser speichert und die Artenvielfalt stärkt. Das ist der Geist der Asphaltknackerinnen: Aus Grau wird lebendiges Grün.

Die Asphaltknackerinnen zeigen eindrucksvoll: Jeder Quadratmeter, der vom Asphalt befreit wird, zählt. Mit Mut, Fachwissen und viel Optimismus verwandeln sie graue Flächen in blühende Lebensräume und beweisen, dass echter Klimaschutz direkt vor der eigenen Haustür beginnen kann. Ihre Arbeit inspiriert nicht nur in der Schweiz, sondern auch darüber hinaus.

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Ein Kommentar

  1. Wow, ist das toll! davon hab ich noch nie gehört und ich bin begeistert! Das könnte wirklich ein tolles, großes ‘Ding’ werden, wenn man es konsequent und richtig macht!! Danke für den großartigen Artikel!

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