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Organisierte Verantwortungslosigkeit – die Drohnenabwehr von Alexander Dobrindt

Der Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne in Leipzig zeigt vor allem eins – die Innere Sicherheit in Deutschland liegt in den Händen eines Schwaflers, der sich als Sheriff eines Grenzregimes gegen Migranten versteht, aber sonst „nicht viel auf der Pfanne hat“, wie man im Volksmund sagen würde.

Lesezeit: 4 Minuten

So spricht Alexander Dobrindt von einem „hybriden Anschlagsszenario“ mit möglicher Beteiligung „fremder Mächte“. Was an einer Dose Semtex, Drohne und Zünder in dem Sicherheitsbereich eines Flughafen ein hybrides Anschlagsszenario sein soll, erschließt sich dabei wohl nur den Wenigsten, es ist schlechterdings ein vereitelter Anschlag.

Ein Busfahrer, der die Drohne entdeckte, hat die offenbar schwebende Drohne aus der Luft getreten – dem Mann gebührt das Bundesverdienstkreuz für seine Courage, denn er hätte ja auch Dobrindts Drohnenabwehrzentrum anrufen können, dann wäre das Ding aber auf einer vollgetankten Antonov schon explodiert.

Womit wir bei dem letzten Lieblingsprojekt von Sheriff Dobrindt wären. 2025 wurde mit viel Tamtam in Berlin das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) eröffnet. Bund und Länder, Bundeswehr und Bundespolizei, Nachrichtendienste und sogenannte Sicherheitsdienste sollten rund um die Uhr dort die Lage im Auge behalten und Informationen über Drohnen zusammenführen, um dann schnell zu reagieren.

Und hier fängt es an, lächerlich zu werden. Es wird dem Bürger Sand in die Augen gestreut.
2025 war das Jahr, in dem reihenweise Drohnen auftauchten, die Standorte an der Küste ausspionierten, die wohl militärisch interessant sind. Werften, Flughäfen, Marinestützpunkte und Betriebe wurden überflogen, während vor der Küste russische Schiffe und Schattentanker lagen, die mutmaßlich die Drohnen steuerten. Fleißig wurde von oben gefilmt, was hinter hohen Toren und Mauern aus gutem Grund nicht einfach einzusehen war.

Für die Drohnenabwehr auf zivilen Flughäfen wäre die Bundespolizei zuständig. – © wagner-journal.de (KI -generiert)

Und Schwupps, erblickte die Idee des GDAZ das Licht der Welt. Zur Einweihung wurde auch gleich die Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei präsentiert, Männer, die in dicken schwarzen Winteruniformen mit riesigen Abschussvorrichtungen auf der Schulter niedrig fliegende Spielzeugdrohnen mit Netzen vom Himmel holten.

Und dann?

Sendepause aus dem Hause Dobrindt. Die in privater Hand organisierten Flughäfen installierten Sensortechnik zur Erkennung von Drohnen – oder auch nicht. In Leipzig, für Deutschland mit der wichtigste Umschlagplatz für Fracht überhaupt, passierte nichts, obwohl hier offenbar auch militärische Güter für die Ukraine und die NATO umgeschlagen werden, auch DHL betreibt dort einen Riesen-Hub. Auf anderen Flughäfen wurden Drohnenabwehreinheiten der Bundespolizei stationiert, ob sie je zum Einsatz kamen – ich habe es nicht gehört. Aber ein reibungsloser Touristikrummel als Geldmaschine ist schließlich wichtiger als ein Frachtflughafen, der zudem 2024 Ziel eines russisch-organisierten Brandanschlags auf die Luftfracht war. Der Prozess gegen dieses Netzwerk läuft gerade.

Wofür also ein Drohnenabwehrzentrum, wenn man eh nicht weiß, wo die Dinger gerade herumfliegen? Und schaut man sich das Leipziger Szenario genauer an, erkennt man auch den Unsinn der Aktion aus dem Hause Dobrindt, die bestenfalls für Spielzeugdrohnen taugt. Die Drohne in Leipzig flog mit Sprengstoff, mit extra großem Akku und gesteuert über 2 SIM-Karten im 5-G-Netz, die bisherige Sensortechnik wird da wohl Schwierigkeiten haben, diese fliegende Bombe zu orten. Denn das Verfahren ist zwar bekannt, doch offenbar nicht in Erwägung gezogen worden. Dazu bräuchte es militärische Sensorik, am besten mit einem Platz im Tower bei den Fluglotsen.

Und jetzt das Schmankerl – eine zweite Drohne schwebte in 400 Metern Höhe offenbar als Transmitterstation und Signalverstärker.

Nun stelle ich mir die Bundespolizisten vor, die mit ihrer Schulterwumme auf diese beiden Flugobjekte gezielt hätten, wären die Drohnen entdeckt worden. Der Eine mit Schweiß auf der Stirn, weil vor ihm in der Luft eine Bombe schwebt, der andere fluchend, weil seine Schulterkanone einiges schafft, aber bestimmt keine 400 m Höhe.

Aber das Szenario ist eh unrealistisch, weil während des Streits um Kompetenzen um das Vorgehen die Drohnen entweder explodiert wären oder längst das Weite gesucht hätten. Denn auf dem Flughafen ist die Bundespolizei zuständig, außerhalb des 40 Kilometer langen Zaunes um den Flughafen die Landespolizei, gäbe es auch noch wie in Köln oder Berlin einen militärischen Bereich, wären die Gladiatoren von Boris Pistorius am Werk, doch die dürfen eigentlich nicht im Inland aktiv werden, nur wenn ein Angriff vorliegt. Denn scharf schießen darf nur die Polizei bei Gefahr für Leib und Leben und nicht die Truppe. Und womit schießt man als Polizist auf 400 Metern – mit der Pistole P6 oder dem Sturmgewehr HK MP7 ? Man ahnt, Flugabwehrpanzer stehen da nicht in der Garage.

Nachdem die deutsche Politik jahrelang wie der Vogel Strauß den Kopf vor den Realitäten in den Sand gesteckt hat, bräuchte es im Innenministerium wohl eher einen Helmut Schmidt reloaded, für die Jüngeren, der spätere Kanzler war 1962 Hamburger Innensenator, als eine schwere Sturmflut im Winter Hamburg und das Umland flutete. Der SPD-Senator zog damals sozusagen einen Friesennerz an, bloß nicht gelb sondern oliv. Forderte ganz unorthodox und damals nicht verfassungs-like auf eigene Kappe Hubschrauber und schweres Gerät bei der jungen Bundeswehr an und rettete hunderte Menschenleben.

Nötig wäre eine eindeutige Gesetzgebung, die für solche Angriffe eine klare Kompetenz benennt, wann und wer schießen darf und eine Vorschrift, die sensible Einrichtungen dazu verdonnert, Überwachungssensorik zu installieren und auf dem Stand der Zeit zu halten.

Doch in Berlin sitzt derzeit ein bayrischer Kasperl mit Sheriffstern am Kabinettstisch, der von hybriden Anschlagsszenarien und fremden Mächten dampfplaudert und dessen Drohnenabwehrzentrum gerade wie ein misslungenes Soufflee zusammengefallen ist.

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